3. Häufige Materialangaben   [ zurück ]

Neben der Angabe der einzelnen Saitenstärken im Satz (bzw. der Zugkraft) finden sich auf der Saiten-Verpackung meist auch Auskünfte zum bei der Herstellung verwendeten Material.

3.1. “Flat Wound” und “Round Wound”

Das englische Wort “wound” ist die Vergangenheitsform des Infinitivs “wind” und heißt übersetzt “gewickelt”. Nahezu alle umwickelten Gitarrensaiten sind Round Wounds. Fehlt also ein entsprechender Vermerk, kann man davon ausgehen, dass es sich um eine Round-Wound-Saite handelt.

Der Unterschied zwischen Flat Wounds und Round Wounds liegt in dem dünnen Draht, mit dem der Saitenkern umwickelt wird. Ein Draht ist normalerweise einigermaßen rund. Wird der Kern mit einem solchen runden Draht umwickelt, entsteht entlang der Saite mit jeder neuen Umwicklung eine Art fortlaufende Berg-und-Tal-Struktur. Man kann das mit dem bloßen Auge meist nicht erkennen. Wenn man aber Fingernagel oder Plektrum senkrecht auf eine Round-Wound-Saite aufsetzt und diese dann langsam entlang fährt, kann man die rauhe Oberfläche spüren.

Die Umwicklung des Saitenkerns mit einem flachen Draht ist aufwendig und entsprechend teuer. Das Ergebnis ist aber eine relativ glatte Saite, die zwei Hauptvorteile bietet: 1. Werden die ungeliebten Kratzgeräusche, wenn der Gitarrist beim Umgreifen die Saiten leicht berührt, minimiert und 2) ist die Flatwound-Saite durch ihre glatte Oberfläche weniger anfällig für Verschmutzung und späterer Korrosion. Sie hält also auch länger. Aber jede Saite hat auch seine “Kehrseite”. Denn die Flat Wounds vermitteln ein anderes Fingergefühl beim Spiel, was aber nicht allen Musikern entgegen kommt.

3.2. Nylon

Nylon ist ein Kunststoff, der vor allem als synthetische Textilfaser bekannt ist. Nylonsaiten haben im Bereich der Zupfinstrumente die Natursaiten aus Darm fast völlig abgelöst. Insbesondere die Klassische Gitarre wird heute eigentlich ausschließlich mit Nylonsaiten bespannt. Dabei bestehen die drei Bass-Saiten aus einem mehrfaserigen Nylonkern, der aber zusätzlich mit Draht umwicklet wird. Die drei hohen Saiten bestehen aus einfaserigen Nylonseilen.

3.3. Silverplated Copper

Ein “versilberter” Kupferdraht (copper = Kupfer) ist die häufigste Wahl für die Umwicklung der Nylonkerne bei der Herstellung der Bass-Saiten der Konzertgitarre. Die hauchdünne Silberschicht wird dem blanken Kupferdraht vorher durch ein Bad in einer speziellen Lösung mit dem Verfahren der Elektrolyse aufgetragen.

3.4. Stainless Steel

Stainless Steel kann man als “fleckenfreier Stahl” übersetzen. Auch dies Material ist aus dem Alltag bekannt, steht diese Angabe doch häufig auch auf Messern, Gabeln, Armbanduhren usw., also auf vielen Gegenständen, die nicht so bald oder nie Rost ansetzen sollten. Es ist ein naheliegender Gedanke, aus einem solchen Stahl eine Gitarrensaite herzustellen.

Neben der guten Lebenserwartung, haben Saiten aus einer Stainless-Steel-Legierung noch eine charakteristische Eigenschaft: Sie reagieren nämlich besonders stark auf Magnetismus. Und das macht sie zu den idealen Kandidaten, wenn es um die Besetzung von E-Gitarre und Bass geht. Denn die dort üblichen Tonabnehmer gewinnen mittels der sogenannten elektromagnetischen Induktion ihr Signal.

3.5. Nickel

Nickel-Round-Wound-Saiten kann man als Weiterentwicklung der Stainless-Steel-Saite betrachten. Auch diese Saiten basieren auf einer stark auf Magnetismus reagierenden Stahl-Legierung. Zusätzlich ist der Wickeldraht aber per Elektrolyse mit einer dünnen Schicht Nickel überzogen. Dies führt zu einigen Vorteilen: 1) Noch längere Haltbarkeit, weil noch besser gegen Oxidation geschützt, und 2) macht der Nickelüberzug die Oberfläche der Saite “weicher”, was sowohl auf den Klang, wie auf das Spielgefühle und auch auf eine geringere Abnutzung der Bundstäbe positiven Einfluß haben soll.

3.6. Bronze

Bronze wird vor allem als Wickeldraht für Westerngitarrensaiten eingesetzt. Dies ist gar nicht so spektakulär, da Bronze eine Legierung aus Kupfer (Copper, s. o.) und Zinn ist, wobei der Kupferanteil aber bei weitem überwiegt. Man findet oft Detailangaben wie “80/20”, “85/15” oder “Phosphor”. Die Zahlenpaare weisen auf das Mischungsverhältnis Kupfer-Zinn hin. Die Angabe “Phosphor” auf die Beigabe einer geringen Menge dieses chemischen Elements, was die Legierung höherwertiger macht.

Die Stärke der Bronze Wound ist ihr voller ausgewogener Klang, von kraftvollen Bässen bis zu crispen Höhen, macht sie das für viele Gitarristen zur ersten Wahl, wenn es um die Besaitung einer Westerngitarre geht. Was aber das Thema klangliche Haltbarkeit betrifft, kann sie mit Silverplated oder Nickel Round Wound nicht mithalten.

3.7. Der “Letzte Schrei”

Unter dem Riesenangebot an Gitarrensaiten ist die Mehrzahl “Alltagsware”, hergestellt aus Materialien wie sie hier beschrieben wurden. Tatsächlich gibt es auch viel weniger Saitenhersteller als Saitenmarken. Insbesondere die vielen Angebote, die Namen von mehr oder weniger berühmten Gitarrenmarken tragen, sind oft Auftragsproduktionen der entsprechenden Gitarrenhersteller.

Daneben aber gibt es auch einigermaßen “abgefahrene” Exoten. Manche davon halten sich am Saiten-Markt, andere verschwinden wieder und/oder geraten in Vergessenheit.

Neben neu entwickelten Spezial-Herstellungsverfahren wird auch weiter nach neuen Ausgangsmaterialien gesucht. Eine in den letzten Jahren viel versprechende Neuheit ist der Einsatz von keramischen Stoffen. Die Grundidee dabei ist, mit einem speziellen nicht oxidierenden Stoff, erst die “Täler” zwischen den einzelnen Windungen einer herkömmlichen Round Wound aufzufüllen, dann die Saite damit insgesamt zu versiegeln. Das Ergebnis ist eine glatte Saite mit optimalem Schutz gegen das Verrosten.

(c) 2000-2012 Gitarrenspeicher FRISIA TOENE Inh.: Rainer Kottke, USt-IdNr.: DE812732415

Süderstraße 30, D-26835 Holtland, Tel.: 04950-989900, eMail: saitenweise@gitarrensaiten.info

Besuchen Sie unbedingt auch das eGitarren-Wörterbuch

Unser Saiten-Versand

* * *