4. Plektren   zurück]

Das Plektrum ist eine Brücke. Es verbindet die Finger des Gitarristen mit den Saiten seines Instruments. Eine große Aufgabe! Steht möglicherweise auf der einen Seite in vielen Jahren erlernte Spieltechnik und auf der anderen Seite ein kostbares Instrument! So ist es denn schwer verständlich, warum der wichtigen Funktion des Plektrums häufig nur wenig Bedeutung zugemessen wird. O-Ton aus dem Übungsraum: “Hast´e noch´n Plek für mich?”

4.1. Formen, Stärken, Materialien

Die mit großem Abstand gebräuchlichste Plektren-Form ist die “Tropfen-Form”, die daher oft auch als “Standard” bezeichnet wird. Bereits relativ selten dagegen ist die zweithäufigste Form, die sogenannte “Triangle-Form”. Bei den meisten Variationen unterschiedlicher Serien oder Hersteller werden lediglich die Spitzen mehr oder weniger scharf zugeschnitten bzw. weich abgerundet. Ausserdem kann die Größe in geringen Grenzen variieren.

Plektren: Tropfen bzw. Standard, Triangle

Da die Form des in der Regel deutlich größeren Triangle-Plektrums auf ein gleichschenkliges Dreieck zurück zu führen ist, bietet dieses Plek die Möglichkeit mit allen 3 Spitzen zu spielen. Hieraus ergibt sich eine erheblich verlangsamte Abnutzung.

Links: standard

Rechts: triangle (engl.: = Dreieck)

Um die Griffigkeit des Plektrums zu erhöhen verleihen einige Hersteller ihren Plektren eine Profil-Oberfläche. Dies kann eine gepunktete Struktur, ein hervorgehobenes oder eingelassenes Logo, ein abgesetzter Ring oder sogar ein Loch im Plektrum sein.

Wichtiger noch als die Form des Pleks ist seine Stärke, da dies direkten Einfluß auf den Sound und auf das Spielgefühl hat. Man unterscheidet mindestens 3 unterschiedliche Stärken: 1) Light / Thin, 2) Medium und 3) Heavy. Normalerweise ist die Stärkenangabe auf jedem einzelnen Plek aufgedruckt. Die Begriffe Light (bzw. Thin), Medium und Heavy werden dabei meist mit den Buchstaben L / T, M und H abgekürzt.

Von vielen Gitarristen werden diese Bezeichnungen aber als zu ungenau und vor allem als schlecht vergleichbar angesehen. Darum findet man bei höherwertigen Produkten meist konkrete Zahlenangaben zur Stärke des Pleks in Millimeter und in Europa eher selten auch in Zoll. Hier eine Tabelle zur schnellen Übersicht:

Ungefähre Angabe

in Millimeter

in Zoll

extra light

0,38

0,015

light

0,51

0,020

light-medium

0,64

0,025

medium

0,76

0,030

medium-heavy

0,89

0,035

heavy

1,01

0,040

extra heavy

1,14

0,045

Der gerundete Umrechnungsfaktor von Zoll in Zentimeter beträgt 2,54.

0,030” x 2,54 = 0,076 cm

(0,076 cm = 0,76 mm)

0,101 cm / 2,54 = 0,040”

Alle Materialien, die in der Phantasie des Gitarristen als geeignet erschienen, die Saiten seines Instruments zum Erklingen zu bringen, sind schon zur Herstellung von Plektren herangezogen worden. Einerseits hat man nach in der Natur vorkommenden Stoffen gesucht und nach Wegen diese zu bearbeiten. Andererseits probiert man heute immer neue Kunststoffe auf ihre Tauglichkeit als Gitarrenplek.

Zwar sind dies alles Exoten, die in der Praxis keine große Rolle spielen, aber man kann sie tatsächlich kaufen: Plektren aus Edelsteinen wie z. B. Achat oder Tigerauge, aus Holz wie z. B. Palisander oder Ebenholz, aus Knochen und aus Horn, aus Filz, aus Metallen wie z. B. Aluminium, Kupfer oder Stahl, aus Graphit und aus Keramik.

Schätzungsweise 80 % aller Pleks bestehen aber lediglich entweder aus Nylon oder aus Celluloid. Eine gewisse Rolle spielen noch neu entwickelte Kunststoffe mit geschützten Markennamen, die aber keine wirklich revolutionären Eigenschaften aufweisen, wenn man davon absieht, dass sie sich besser bedrucken lassen als die althergebrachten Nylon-/Celluloid-Plektren.

 

4.2. Das ideale Plek

Obwohl die Auswahl an Plektren einfach gigantisch ist, gibt es auf der Suche nach dem persönlichen Lieblings-Plek lediglich zwei wirklich relevante Aspekte:

1) Fühlt sich das Plektrum gut an? Das Plektrum zu halten sollte keinerlei Konzentration kosten. Auch wenn die Finger schwitzig werden, sollte das Plek nicht wegrutschen. Bei glatten unprofilierten Plektren sollte einmaliges Abwischen an Hemd oder Hose das Plek wieder griffig machen. Es sollte weder als zu groß und klobig noch als zu klein und fummelig empfunden werden. Alle Anschläge sollten (wie gewohnt) “treffen”.

2) Bringt das Plektrum den gewünschten Sound mit der passenden Dynamik? Während der “Sound des Plektrums” reine Geschmackssache ist und im Feld der Kunststoff-Pleks auch keine echten Überraschungen warten, ist die Frage nach der Dynamik entscheidener. Ein kraftvoller Anschlag mit einem dünnen Plek verliert einen großen Teil seiner Energie. Dies kann manchmal durchaus erwünscht sein, wenn ein Gitarrist mit großer Intensität anschlägt, um im Ergebnis einen fetzigen aber gemäßigten Sound zu erreichen. Dasselbe hätte mit einem dickeren Plektrum möglicherweise zu dominant geklungen. Für einen lauten oder harten Sound wäre das dünne Plek aber von Nachteil.

Gitarrenanfänger empfinden das Spiel mit dünnen Plektren allgemein als komfortabler, weil sich das weiche Material stärker um die angeschlagene Saite herumschmiegt. Ein dickes Plek wird dagegen als widerspenstig und hakend erlebt. Dennoch sollte sich jeder Einsteiger-Gitarrist auch mit stärkeren Plektren (mind. 0,70mm) beschäftigen, denn mit den zunehmenden eigenen Fertigkeiten, einem steigenden Spielgefühl und wachsender motorischer Lockerheit wird auch der Umgang mit harten Pleks einfacher. Ein kraftvoller Rocksound lässt sich dann sogar auf einer Konzertgitarre mit Nylonsaiten produzieren.

Abschließend noch der Hinweis, dass die Gewöhnung an ein Plektrum auch ein wichtiger Punkt ist. Das heißt, wer ein neues Plek nach nur zehn Spielminuten als nicht geeignet abschreibt, hat vielleicht gerade ein gutes Plektrum zu Unrecht in die Tonne gehauen. Ausserdem ist es zum Vergleichen sinnvoll, beim Pleks-Einkauf immer auch ein Exemplar des zuletzt gespielten Plektrums wieder mitzunehmen.

Mit der Zeit wird sich so von ganz allein der persönliche Favorit herausbilden.

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