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Es gibt Gitarristen, die sind völlig vernarrt auf der Suche nach DER RICHTIGEN SAITE für ihr geliebtes Instrument. Dabei wurden nicht selten schon zwanzig und mehr Sorten ausprobiert. Diese Leute, die aber die Ausnahme bilden, werden auf den folgenden Infoseiten wahrscheinlich wenig erfahren, was sie nicht schon wüssten. Leider ist aber bei sehr vielen Gitarristen - oft sogar unabhängig vom hohen Spielniveau - das Interesse an der aufgezogenen Saite eher schwach ausgeprägt. Dabei ist doch klar, dass eine Gitarre ohne Saiten keinen funktionalen Wert hat, mit alten rostigen Gitarrensaiten, das kostbare armerikanische Original schlechter klingt als seine chinesische E-Gitarrenkopie und mit alten rostigen Gitarrensaiten die chinesische Kopie, naja, kein weiterer Kommentar...

 

1.1. Saiten für Akustikgitarre: Stahl oder Nylon?

Der Bereich der Akustikgitarren teilt sich in zwei Hauptvertreter: Westerngitarre und Konzertgitarre, letztere wird auch als die Klassische Gitarre oder Spanische Gitarre bezeichnet. Der eigentliche Hauptunterschied zwischen beiden Formen ist die Besaitung. Die Westerngitarre wird mit Stahlsaiten bespannt, während die Konzertgitarre mit Saiten aus Nylon bespannt wird.

Da bei der Konzertgitarre die drei Bass-Saiten einen Nylonkern haben, der aber zusätzlich mit Draht umsponnen ist, kommt es manchmal zu der falschen Annahme des schlecht unterrichteten Besitzers, auf seine Klassische Gitarre würden jeweils drei dicke Stahl- und drei dünnere Nylonsaiten aufgezogen.Wer nun schlußfolgerte, es dürfte doch keinen großen Unterschied machen, und drum beim nächsten Saitenwechsel einen kompletten Satz Stahlsaiten ausprobierte, der hat auf diese Weise auch schon mal sein Instrument zerlegt: Der Knüpfsteg löst sich teilweise von der Gitarrendecke oder reißt auch schon mal komplett ab. Der Hals verzieht sich unter der zu hohen Saitenspannung.

Wenn man vom unterschiedlichen Klang absieht, ist es vor allem wichtig zu wissen, dass die Stahlsaite strammer gespannt sein muß (weil sie mehr Masse hat, also schwerer ist) als die vergleichbare Nylonsaite, um dieselbe Tonhöhe zu erreichen. Die Zugkraft der Saiten auf einer Westerngitarre ist deutlich höher als die Kraft, mit der die Saiten einer Konzertgitarre das Instrument belasten. Darum muß auch der Hals einer Westerngitarre in seinem Innern durch einen Stab aus Stahl verstärkt werden, sonst könnte er dieser Kraft nicht standhalten.

 

1.2. Die Saitenstärke: Was bedeuten die Begriffe “tension”, “gauge” bzw. die Angabe “.009”?

Weiß ein fortgeschrittener Gitarrist bezüglich der richtigen Sorte Saiten erstmal Bescheid, stellt sich sofort die nächste Frage: Welches ist für mich und mein Instrument die richtige Saitenstärke? Da eine ganze Reihe unterschiedlicher Begriffe auftauchen, ist es zunächst gar nicht einfach, hier eine Übersicht zu gewinnen.

Einfach wäre es, würden die Hersteller als Saitenstärke die Durchmesser in Millimeter angeben. Wird aber leider nicht gemacht. Denn aus traditionellen Gründen und aus Gründen der größeren Bedeutung der englischen Sprache sowie des anglo-amerikanischen Wirtschaftsraums werden die Durchmesser in Inch (bzw. Zoll) angegeben.

Zwei Rechenbeispiele: Sehr beliebt auf der E-Gitarre ist der Satz mit der Stärkenangabe “.009 - .042”. Das heißt, dass die hohe e-Saite einen Durchmesser von 0.009 Zoll hat und die tiefe E-Saite einen Durchmesser von 0.042 Zoll. Ein Zoll ist gerundet 2,54 Zentimeter. Also wird multipliziert:

          0.009    x   2.54 cm  =    0.02286 cm  =  0.2286 mm

          0.042    x   2.54 cm  =    0.10668 cm  =  1.0668 mm

Während bei der Herstellung von Stahlsaiten die gewünschten Durchmesser sehr präzise auf hundertstel Millimeter produziert werden können, ist dies bei  Nylonsaiten aus technischen Gründen nicht möglich. Ein Nylonseil von 100m Länge kann an seinem Ende einen messbar anderen Durchmesser haben als an seinem Anfang. Tatsächlich versuchen Hersteller diese Schwankungen zu berücksichtigen, die Seile entsprechend zu zerschneiden und in die unterschiedlichen Satzstärken zu sortieren.

Insgesamt beschränkt man sich bei Nylonsaiten jedoch auf eine pauschalere Bezeichnung der Saitenstärken eines Satzes. Üblich sind Angaben wie “low”, “medium”, “high” und auch “light”, “normal” oder “hard”. “Hoch” und “hart” stehen folgerichtig für eine relativ dicke Saitenstärke.

Dazu findet man auf den Saitenverpackungen die Begriffe “tension”, heißt auf deutsch “Spannung” oder auch “gauge”, was soviel wie “Maß” oder “Maßeinheit” heißt.

 

1.2.1. Auswirkung auf den Spielkomfort

Im Vergleich muß dieselbe aber dickere Saite, z. B. die A-Saite, aus einem High-Tension-Satz strammer gespannt werden als die dünnere A-Saite aus einem Normal-Tension-Satz, um die identische “richtige” A-Stimmung mit einer Frequenz von 440 Hz zu erreichen.

Daher wird es auch verständlich, dass die Begriffe “hoch” und “hart” oder “niedrig” und “weich” austauschbar benutzt werden können. Einmal ist das Maß der Saitenspannung gemeint, das andere Mal bezieht sich die Angabe auf das Spielgefühl.

Ein weicher bis mittlerer Satz läßt sich mit der linken Hand einfacher und für Eher-selten-Spieler auch über längere Zeit relativ angenehm greifen. Erfahrene Spieler, die ihr Instrument vor allem zupfen, kann es möglicherweise stören, dass die Saiten relativ “flatterig” sind. Das kann bei besonders kräftigem Spiel bishin zu Saitenschnarren führen, weil die Saiten aufs Griffbrett aufschlagen. E-Gitarristen, die viel Solo spielen, werden bei einem härteren Satz (.010´er oder .011´er) feststellen, dass insbesondere die Technik des Saitenziehens sehr viel schwieriger wird.

 

1.2.2. Bedeutung für das Klangverhalten

Gitarrensaiten speichern Energie und geben diese über einen gewissen Zeitraum wieder ab. Schlägt man mit einem Plektrum eine Tischkante an, macht das ein kurzes “Klackgeräusch” und mehr nicht. Schlägt man mit demselben Kraftaufwand eine Gitarrensaite an, so fängt diese an zu klingen. Mit dem Anschlag führt der Gitarrist der Saite eine dosierte Menge Energie zu, die Saite schwingt und erzeugt einen Ton (bzw. einen Wechselstrom in den Pickups von E-Gitarre und E-Bass).

Dickere Saiten haben mehr Masse, sind darum auch in der Lage mehr Energie aufzunehmen und diese besser zu speichern bzw. relativ langsamer wieder abzugeben. Daher können kräftigere Saitenstärken einem volleren und länger andauernden Ton erzeugen.

Was abschließend klar gestellt werden muß, ist, dass es keinen Sinn macht allein aus theoretischen Überlegungen heraus, einen Satz Saiten zu kaufen. Es geht bei diesem Thema vielmehr um persönliche Vorlieben, die durch Ausprobieren gewonnen werden sollten. Wer seine Gitarre über Monate oder gar Jahre nicht neu besaitet, nur einzelne gerissene Saiten ersetzt, dem sind Marke und Saitenstärke erfahrungsgemäß ziemlich gleichgültig. Der wird auch keine der hier beschriebenen Eigenschaften wiederentdecken, da schlicht die Vergleichsmöglichkeit fehlt.

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