2. Saitenwechsel   [ zurück ]

Saitenwechsel sind lästig. Das ist keine Frage. Manchmal führen sie zu wunderlichen Verwicklungen und abenteuerlichen Knoten. Und für sehr Ungeübte wird schon mal ein Alptraum daraus. Es gibt nicht “Die Vorschrift”, wie eine neue Saite zu befestigen ist, Tricksen und Improvisieren sind erlaubt. Aber gegen Feierabend sollten dann doch beide Enden, an der Mechanik und am Steg, so fest verbunden sein, dass ein Nachrutschen nicht mehr möglich ist. Damit erst ist die wichtigste Grundvoraussetzung für ein maximal stimmstabiles Instrument gegeben.

 

2.1. Wann sollte man die Saiten wechseln?

Dies ist allein eine Frage des eigenen Anspruchs. Jeder sollte wissen, dass alle Arten von Gitarrensaiten ihren optimalen Klang nicht monatelang und auch nicht wochenlang sondern nur für einige Spiel-Stunden abgeben.

Man kann sich die “Lang”-lebigkeit des Klangpotentials etwa so vorstellen: Nach 10 gespielten Stunden noch 95% der Ursprungsqualität, nach 2 Wochen 90%, nach 2 Monaten 70%, nach einem 1/2-Jahr noch 50%, dann fällt der Wert kaum noch, bis zu dem Tag an dem die Saite reißt.

Saiten können auch aus anderen Gründen reißen (Materialfehler, scharfer Grat an der Bridge, zu hoch gestimmt). Reißt die Saite aber offensichtlich aus altersbedingten Gründen und diese Gefahr sieht und fühlt man den Saiten schon lange vorher deutlich an: Sie sind verschmutzt, teilweise schwarz und / oder rostig und alles andere als glatt. Dann ist es wirklich allerhöchste Eisenbahn! Wer jetzt lediglich die gerissene Saite ersetzt, muß ein finanziell wirklich ganz arg dünn betuchter Musikant oder ein nicht so ganz einwandfrei frischer Beutel sein ;-)

Ein guter Zeitpunkt ist stets auch der nächste Auftritt: Denn die maximale Sicherheit, einen Gig durchspielen zu können, ohne die (peinliche) Situation wegen einer gerissenen Saite eine Zwangspause einlegen zu müssen, diese Sicherheit hat man nur, wenn man einen neuen Satz Saiten ein oder zwei Tage vor dem Konzert aufzieht.

 

2.2. Saitenwechsel: Konzertgitarre (Nylonsaiten)

Die Nylonsaiten der Konzertgitarren haben kein sogenanntes “ball end” (Das sind die winzig kleinen Rädchen, die bei einer Stahlsaite jeweils an einem Ende mit einer Schlaufe befestigt sind.). Daher ist es bei der Konzertgitarre auch nicht möglich, die Saite am Steg einfach nur bis zu einer solchen streichholzkopfgroßen Verdickung einzufädeln. Sondern auch an diesem (“hinteren”) Ende muß die Saite von Hand festgeknotet werden.

Befestigen der Nylonsaite am Gitarrensteg.

Die Saite wird dazu aus Richtung Griffbrett kommend in das richtige Loch im Steg eingefädelt und einige Zentimeter durchgezogen. Jetzt dreht man aus diesem Ende gegen den Uhrzeigersinn eine Schlaufe. Los geht´s bei “3 Uhr”, dann über “12 Uhr” nach “9 Uhr”. Bei “9 Uhr” wird das Saitenende unter der später gespannten Saite durchgefädelt. Weiter nun über “6 Uhr” kommt das Ende zurück zum Ausgangspunkt nach “3 Uhr”. An dieser Stelle fädelt man das Saitenende durch die so gerade gelegte Schlaufe hindurch. Die Saite wird nun mit der linken Hand vorsichtig stramm gezogen. Mit dem Nagel von Daumen oder Zeigefinger (rechte Hand) wird dafür gesorgt, dass sich der Knoten auf der Rückseite des Knüpfstegs und nicht oben auf dem Steg festzieht (wichtig!).

Bei den drei dünnen nicht umwickelten Nylonsaiten wird nach dem Bilden der Schlaufe (zurück am Ausgangspunkt bei “3 Uhr”) das Saitenende nicht nur einmal durch die Schlaufe gefädelt sondern mindestens noch ein zweites Mal. Bei der dünnen e-Saite kann auch ein 3- oder 4-maliges Durchfädeln gar nicht schaden.

Während des Befestigens einer Saite am Steg hat man die Gitarre am besten vor sich flach auf dem Schoß liegen. Anschließend klemmt man das Instrument an seiner schmalen Korpusmitte (Taillie) zwischen die Knie. So hat man die Gitarre nun senkrecht vor sich und die Kopfplatte des Instruments ungefähr auf Augenhöhe.

Befestigen der Nylonsaite an der Gitarrenmechanik

An der Kopfplatte dreht man die “leere” Mechanik als allererstes soweit, bis das Loch in der Mechanik-Achse fast senkrecht zur Kopfplatte steht. Die Saite wird zunächst durch das Loch gefädelt. Das auf der Rückseite austretene Ende wird anschließend oberhalb der Achse wieder zurück auf die Vorderseite der Kopfplatte geführt. Nun legt man mit dem Saitenende im Uhrzeigersinn eine Schlaufe, wobei der später auf Spannung zu bringende Teil der Saite unterquert wird. Zurück am Ausgangspunkt fädelt man durch die Schlaufe hindurch. Es entsteht so ein ganz einfacher Knoten, der nun mit beiden Händen in jede Saitenrichtung vorläufig festgezogen werden kann. Der eigentliche Halt dieser Befestigung entsteht jedoch erst dadurch, dass mit dem Aufwinden des überschüssigen Saitenmaterials die gespannte Saite den Knoten mindestens einmal “überfahren” muß, und damit die gesamte spätere Saitenspannung die Saite festklemmt.

Idealerweise sollten wenigstens drei komplette Windungen auf der Mechanikachse zusammen kommen. Dies gilt besonders für die drei dünnen Nylonsaiten. Der Knoten muß also zugezogen werden, wenn die Saite noch ohne jede Spannung ist und sich noch völlig schlaff und in Kurven über das Griffbrett hinzieht. Während mit der einen Hand gekurbelt wird, hält bis zur ersten Grundspannung die andere Hand den Saitenabschnitt zwischen Mechanik und Sattel auf Höhe des 1. Bunds stramm.

Schließlich sollte noch darauf geachtet werden, dass die Windungen eng aneinander liegen und vor allem sich nicht links oder rechts am Holz der Kopfplatte einkeilen können. Dies kann dazu führen, dass die Achse gebremst oder ganz blockiert wird und das Kurbeln am Flügel der Mechanik zum Abbrechen des Flügels oder einzelner Zähne der Zahnkranz-Übersetzung führt! Insbesondere bei Neuanschaffungen oder “unbekannten” Konzertgitarren (Stimmen von Schülerinstrumenten) sollte man sich vorher mit einem Blick vergewissern, dass diese Gefahr nicht besteht.

 

2.3. Saitenwechsel: E-Gitarre & Westerngitarre (Stahlsaiten)

Die Stahlsaiten, die sehr ähnlich sowohl auf der E-Gitarre als auch auf der Westerngitarre verwendet werden, haben ein sogenanntes “ball end”. Dies ist eine kugelförmige Verdickung an einem Saitenende, die korpusseitig als eine Art Haken oder “Stopper” fungiert.

Bei der E-Gitarre wird die Saite ganz einfach eingefädelt und durchgezogen, bis sich das Ballend direkt vor das kleine Loch setzt, durch das es nicht hindurchpasst. Diese sechs “Nadelöhre” können in der Stegkonstruktion selbst sein oder auf einer in etwa parallel daneben angeordneten Konstruktion. Bei E-Gitarren mit Tremolo-System befinden sich die Löcher, in die die Saiten eingefädelt werden, im Inneren des Tremolos, im sogenannten Tremolo-Block. Die Saiten werden hierbei von der Rückseite der Gitarre her eingefädelt. Zu diesem Zweck hat die dort befindliche Kunststoff-Abdeckung die entsprechenden Löcher oder einen durchgehenden schlitzartigen Ausschnitt. Sollen alte Saiten entfernt werden, müssen diese logischerweise auch zur Rückseite hin quasi wieder “ausgefädelt” werden.

Saitenhalterkonstruktion mit sechs einzeln justierbaren Reitern. Rückseitige Tremolo-System-Abdeckung

Etwas widerspenstiger ist das Einhaken der Ballends bei der Westerngitarre. Der Steg des Instruments hat sechs Löcher, die senkrecht ins Korpusinnere führen. Hier werden die Saiten quasi “rückwärts eingefädelt”, also mit dem Ballend voran! Danach wird jedes Loch mit einem sogenannten Stegstecker verschlossen. Wichtig zu wissen ist, dass nicht diese Stegstecker die Saiten irgendwie festkeilen sollen, sondern, dass sich das Ballend unter der verstärkten Gitarrendecke festhaken muß. Die Stegstecker haben lediglich die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Ballends nicht von dieser Kante abrutschen.

Westerngitarre: Steg mit Bridge und Stegsteckern

Bevor man sich der Kopfplatte zuwendet, sollte man durch festes Ziehen an der Saite überprüfen, dass das Ballend wirklich an der Gitarrendecke anschlägt und nicht noch tiefer im Innern des Korpus umherfedert.

Von vornherein ist es sinnvoll, die Saiten nicht weiter in den Korpus einzufädeln als nötig.

Widerspenstig wird die Angelegenheit, weil ein Ballend dann doch manchmal “aushakt” und den Stegstecker hinaustreibt. War die Saite schon ziemlich hart gespannt, kann der Stecker tatsächlich geschoßartig das Weite suchen. Hier ist also Vorsicht geboten und das insbesondere für eventuell unbeteiligt gegenüber sitzende Anwesende!

Hat man es mit so einem Fall zu tun, sollte man zunächst überprüfen, ob das Ballend überhaupt unter der Gitarrendecke festhaken kann. Manchmal hilft es auch, die Saite ein wenig zu drehen oder die letzten Zentimeter etwas zu biegen. Oft haken sich diese schwierigen “Patienten” erst bei zunehmender Spannung fest. Wenn man den betroffenen Stegstecker (mit ausreichend Abstand!) im Auge behält, kann man rechtzeitig erkennen, wann dieser heraus zu rutschen beginnt. Mit kräftigem Druck des Daumens der rechten Hand kann man dem meist erfolgreich entgegen wirken. Es kann nötig sein, mit dem Druck des Daumens den Stegstecker eine Weile lang festzuhalten, während man die Saite weiter spannt. Will sich bei der Saite aber überhaupt keine Festigkeit einstellen, so sollte man die Prozedur noch einmal von vorn angehen.

Befestigen einer umwickelten Bass-Saite an der Mechanik

Das Anbringen der E-, A- und D-Saite an der jeweiligen Mechanik ist endlich mal ein Kinderspiel. Diese dicken umwickelten Saiten sind träge und neigen nicht dazu, hat man sie erst einmal  leicht festgezogen, später noch nachzurutschen. Ein Verknoten ist bei diesen Saiten daher gar nicht notwendig:

Bei der E- und A-Saite reicht es, wenn man die Achsen der Mechaniken einmal umschlingt, dann die Saiten durchfädelt, am langen Ende, also Richtung Griffbrett, mit der rechten Hand stramm zieht und festhält. Nun mit der linken Hand die Mechanik so weit drehen, bis eine minimale Spannung erreicht ist, und die rechte Hand die Saite loslassen kann.

Bei der D-Saite sollte man vor dem Einfädeln die Mechanikachse zweimal umrunden. Dies hängt aber auch davon ab, wieviel Spiel man am Punkt des Einfädelns der Saite zwischen Mechanik und Steg (bzw. Tremolo) überlässt. Also wieviel überschüssige Saitenlänge noch mit der Mechanik aufgerollt werden muß. Bei den drei Bass-Saiten sind zwischen 2 und 3 Umwicklungen völlig ausreichend. Was dagegen ziemlich unprofessionell aussieht, das sind Mechanikenachsen, die unter einem dicken Wust an aufgewickeltem Saitenmaterial kaum noch zu erkennen sind.

G-, H- und hohe e-Saite müssen an der Mechanik “angeknotet” werden. Hierbei ist zu beachten, wie die sechs Mechaniken an der Kopfplatte der Gitarre aufgeteilt sind. Bei allen gängigen Westerngitarren trifft man auf das Muster “3-Rechts-3-Links”, bei den E-Gitarren dagegen findet man sowohl “3re-3li” als auch “6-links”. Beschrieben wird im folgenden die Vorgehensweise beim Anbringen der hohen e-Saite an einer “Links-Mechanik” (E-Gitarre).

Alle Besitzer von Westerngitarren oder E-Gitarren mit 3re-3li-Anordnung müssen daher die Richtungsangaben “im / gegen den Uhrzeigersinn” genau umgekehrt befolgen!

Die Saite wird zunächst durch die Achse der Mechanik gefädelt, dann wird mit dem Saitenende eine Schlaufe im Uhrzeigersinn gelegt. An ihrem Schnittpunkt wird die Schlaufe unter der eingefädelten Saite hindurch geführt.

Festknoten einer hohen e-Saite an einer Links-Mechanik

Wie schon bei den umwickelten Bass-Saiten zieht man nun mit der rechten Hand das lange Ende in Richtung Griffbrett stramm und hält dies weiter fest. Gleichzeitig zieht die linke Hand das kurze Saitenende zwischen der Mechanik und der tieferen benachbarten Mechanik nach links etwa Richtung “9Uhr”.

Der nächste Schritt ist, das Saitenende an der Schnittstelle abzuknicken. Dazu biegt man es zunächst senkrecht nach oben und dann noch weiter darüber hinaus, ganz so als ob man das Saitenende an der Schnittstelle falten wollte. Wenn jetzt das Saitenende losgelassen wird, sollte es von allein in eine Position zurückfedern, die etwa senkrecht zur Kopfplatte (90°-Winkel) bzw. relativ parallel zur Achse der Mechanik verläuft (vgl. in der Abb. rechts).

Während die rechte Hand weiter die Saite oberhalb der ersten Bünde gemäßigt stramm hält, fängt die freigewordene linke Hand mit dem Drehen der Mechanik an. Die Achse der Mechanik soll sich gegen den Uhrzeigersinn drehen, so dass das nach oben abstehende Saitenende beim Aufwickeln “überfahren” und eingeklemmt wird.

Bei den drei dünnen Saiten sollte man beim Einfädeln etwas großzügiger mit dem überschüssigen Saitenmaterial zwischen Mechanik und Steg (bzw. Tremolo) sein. Denn ist die Saite später gestimmt und auf der Achse der Mechanik sind gerade mal 2 Umwicklungen zustande gekommen, so kann das knapp bemessen sein. Eventuell rutscht die Saite nach und ist nicht stimmstabil. Oder sie wird sogar von der relativ scharfen Kante des kleinen Lochs, in das sie eingefädelt ist, durchtrennt, weil an dieser Stelle zuviel Zugkraft direkt auf die Saite wirkt.

Da ewiges stumpfes Drehen an den Mechaniken ziemlich nervtötend ist, hat irgendwann mal jemand die so (falsch) genannte “Saiten”-kurbel erfunden, die, passend für alle E- und Akustik-Gitarren, einfach auf die Mechanikenflügel aufgesetzt werden kann. Das lästige Umgreifen entfällt, das Handgelenk freut sich - und nur das exakte Stimmen wird noch von Hand vorgenommen.

 

2.4. Saitenwechsel: E-Bass & “Vintage-Style” E-Gitarren-Mechaniken

Spätestens wenn der E-Gitarrist in den Besitz einer historischen E-Gitarre aus den 50´er oder 60´er-Jahren (oder eines entsprechenden Nachbaus) kommt, kann die Saitenkurbel geradezu unverzichtbar werden. Hier findet man oft Instrumente mit Mechaniken, durch deren Achsen kein senkrechtes Loch führt, sondern die hohl und oben eingekerbt sind.

Das Saitenende wird bei diesen Vintage-Style-Mechaniken zur Besfestigung etwa 1 cm tief von oben in die hohle Achse der Mechanik eingefädelt. Stöß man auf Widerstand, wird die Saite an der unteren Kante der Einkerbung im 90°-Winkel abgeknickt. Anschließend zieht die rechte Hand die Saite bis maximal etwa auf Höhe des Sattels ganz vorsichtig auf Spannung. Dabei soll die Saite nochmal in Richtung Griffbrett abgeknickt werden. Mit einem leichten Fingerdruck auf die Knickstelle kann man dies unterstützen. Ab hier bis zum Steg / Tremolo hängt die Saite dagegen absolut schlaff über dem Griffbrett. Nun kann die linke Hand beginnen, die Mechanik zu drehen.

Saitenwechsel bei Vintage-Style E-Gitarren-Mechaniken

Es ist ratsam mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand die saubere Anordnung der Umwicklungen zu steuern. Dabei muß die Saite unbedingt weiter auf Spannung gezogen werden, da sonst die fertigen Windungen plötzlich oben von der Mechanikenachse abspringen können.

Das Befestigen der Saiten an Mechaniken diesen Typs ist eigentlich viel einfacher als bei jeder anderen Mechanik. Aber einen Haken gibt es leider doch: Die neu gekauften Saiten sind in aller Regel viel zu lang! Da das Saitenende nirgendwo ausgefädelt wird bzw. übersteht und später abgeschnitten werden kann, muß man die Saiten bereits vorher auf eine brauchbare Länge kürzen. Dies erfordert ein bißchen Erfahrung, d. h. man sollte Augenmaß nehmen, wieviel überschüssiges Saitenmaterial in etwa aufgewickelt werden muß, damit am Schluß eine vernünftige Anzahl Umwicklungen auf der Mechanikachse zusammenkommt. Bei Vintage-Style E-Gitarren-Mechaniken sollten dies etwa 3-4 Windungen bei den drei Bass-Saiten und etwa 4-8 bei den drei dünnen nicht umwickelten Saiten sein. Also einige Windungen mehr als bei den modernen Gitarrenmechaniken, daher auch oben der Hinweis, dass sich der Gebrauch einer Saitenkurbel bei diesen Mechaniken schwer empfiehlt.

Wer zum ersten Mal eine Saite an diesem Mechaniktyp ersetzt, sollte sich herantasten. Wenn zuviele Windungen entstehen, kann man die Saite nochmal abkurbeln, lösen, um einige Zentimeter kürzen und von vorn beginnen. Hat man dagegen zu viel gekürzt, nur ein oder zwei Windungen auf der Achse, so wird die Saite möglicherweise nicht stimmstabil sein oder mittelfristig an der scharfen Kante der Einkerbung der Achse zu stark belastet und reißen.

Mechaniken diesen Typs sind im Bereich der Bassgitarren bis heute der Standard. Das liegt zum einen daran, dass die Bassmechanik viel größer und massiver ist, so dass eine Bruchanfälligkeit der hohlen Mechanikachse im Gegensatz zur filigranen Vintage-Gitarrenmechanik kaum gegeben ist. Ausserdem sind die dicken Bass-Saiten so träge, dass zwei bis drei Umwicklungen auf der Achse reichen, um ein stimmstabiles Instrument zu garantieren. Das heißt aber auch, dass die neu aufzuziehende Saite mit noch größerer Genauigkeit auf die richtige Länge gekürzt werden muß. Der E-Bass-Einsteiger ist daher gut beraten, bei seinem ersten Saitenwechsel mit einen preiswerten NoName-Satz Vorlieb zu nehmen, um nicht eventuell einen megateuren Marken-Satz zu verschneiden.

 

2.5. “Saitenpflege”

Zu guter Letzt, schweißnass, aber die Gitarre erfolgreich neu besaitet, Antwort auf die Frage: Gibt es irgendetwas, das ich tun kann, damit die Saiten (ihren frischen Klang) länger halten?

Ja! Ein Baumwolltuch gehört in jeden Gitarrenkoffer und jede Gitarrentasche. Und auch wenn es eine lästige Mühe ist, die Disziplin erfordert, es zahlt sich mindestens in den ersten 14 Tagen nach dem Saitenwechsel aus, wenn man die Saiten trocken und sauber hält. Beim Gitarrenspiel kommen die Finger wortwörtlich ins Schwitzen. Salzhaltiger Schweiß, Schmutz von der Fingeroberfläche, winzige Mengen abgeschürfter Haut sowie der Staub aus der Luft, der sich zusätzlich ausserhalb von Koffer/Tasche auf Saiten und Griffbrett legt, vermischen sich und verkleben die Saitenoberfläche. Die Korrosions-Schutzschichten aus Nickel, Bronze oder Silber können in der Praxis diesem agressiven Angreifer nur begrenzte Zeit standhalten. Danach entscheidet die Qualität des Stahls, wie schnell und heftig die Oxidation einsetzt und Rost entstehen kann.

Es ist darum definitiv die Mühe wert, nach jeder Unterrichtsstunde, Übungseinheit oder Bandprobe mit eben jenem Hab-Ich-Immer-Dabei-Baumwolltuch jede einzelne Saite zwischen Daumen und Zeigefinger 2-3 mal der Länge nach abzureiben.

Ausserdem sollte man wissen, dass Saiten selbst dann altern, wenn sie nicht gespielt werden. Dies gilt sowohl für den aufgezogenen Satz als auch für die Ersatzsaiten. Ersatzsaiten sollten nicht länger als ein Jahr gehortet werden. Danach kann man eventuell fehlende Einzelstärken hinzukaufen, die alten Ersatzsaiten neu aufziehen und ein frischer Satz sollte ins Zubehörfach wandern. Vorsichtig sollte man ausserdem beim Kauf von Saiten sein, schon gar nicht in größeren Mengen, die supergünstig auf dem “Grabbeltisch” feilgeboten werden. Dies sind nicht selten überalterte Lagerbestände.

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